Hilfebedarf & Pflegebedürftigkeit

Der Hilfebedarf, für sich wiederholende regelmäßige Verrichtungen im Tagesablauf, dient als Basis für das Feststellen der Pflegebedürftigkeit. Es fallen jedoch nur bestimmte Verrichtungen unter den Begriff der Pflegebedürftigkeit nach SGB XI (siehe unten). Je nach Grad der Pflegebedürftigkeit wird die pflegebedürftige Person durch ein MDK Pflegegutachten der Pflegekassen einer Pflegestufe zugeordnet, auf der basierend die Pflegeleistungen und das Pflegegeld zugeteilt werden.

Der Pflegebedürftigkeitsbegriff

Unter den Begriff bzw. die allgemeine Definition der Pflegebedürftigkeit fällt ein Mensch, wenn er krank ist oder an einer Behinderung leidet, die ihn im Alltag dauerhaft von anderen Menschen abhängig macht.

Pflegebedürftigkeit nach SGB XI

Im deutschen Recht der Pflegeversicherung & Sozialhilfe gilt ein Mensch als pflegebedürftig nach §14 Abs.1 SGB XI bzw. §61 SGB XII, wenn er an Krankheiten oder Behinderungen körperlicher, geistiger oder seelischer Natur leidet, die ihn dauerhaft (voraussichtlich mindestens 6 Monate ab Prognoseerstellung) erheblich oder in höherem Maße bei den Verrichtungen des täglichen Lebens auf andere Menschen angewiesen machen. Der Hilfebedarf/Pflegebedarf für diese Verrichtungen muss hierbei auf der Krankheit oder Behinderung basieren. Als gewöhnliche und regelmäßige Verrichtungen des täglichen Lebens gelten ausschließlich folgende 4 Bereiche (die ersten 3 Bereiche werden auch als sogenannte Grundpflege bezeichnet):

  • Körperpflege: Haare kämmen, Rasieren, Zahnhygiene, Waschen, Baden, Duschen & die Darm- oder Blasenentleerung
  • Ernährung: die Nahrung mundgerecht zubereiten und diese aufnehmen
  • Mobilität: eigenständiges Aufstehen und Ins-Bett-Gehen, An- und Ausziehen, Gehen, Stehen, Treppengehen, Verlassen und Wiedererreichen der Wohnung
  • Hauswirtschaftliche Versorgung: Einkaufen gehen, Kochen, Spülen, die Wohnung reinigen, Wäsche waschen oder wechseln, Heizen der Wohnung

Geplante Reform des Pflegebedürftigkeitsbegriffs

Im Laufe der Pflegereform ist die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs geplant. Das System der drei Pflegestufen soll zukünftig durch fünf sogenannte Pflegegrade ersetzt werden, um den individuellen Hilfs- und Unterstützungsbedarf besser abdecken zu können. Auf diese Weise soll neben Menschen mit rein körperlichen Einschränkungen besonders Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz Rechnung getragen werden Hierbei handelt es sich vielfach um Menschen mit Demenz, die in der Vergangenheit oftmals keine Pflegestufe erhalten haben. Die Einordnung der Pflegebedürftigen soll zukünftig nicht mehr aufgrund des zeitlichen Pflegeaufwands erfolgen, sondern anhand des Grades der Selbstständigkeit. Dieser wird anhand von sechs Kriterien ermittelt, denen ein Punktewert zugeordnet wird. Abhängend von der Gesamtpunktzahl auf einer Skala von 0 bis 100 wird der Pflegegrad ermittelt. Dieses System befindet sich derzeit in der Erprobungsphase. Garantiert wird, dass niemand durch die neuen Bemessungskriterien schlechter gestellt wird, als er mit dem alten System war. Pflegebedürftige mit einer Pflegestufe werden bei Übernahme des neuen Systems automatisch einem Ihrer aktuellen Pflegstufe entprechenden Pflegegrad zugeordnet.

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Pflegebedürftige in Deutschland

Nach Zahlen des statistischen Bundesamtes sind aktuell ca. 2,5 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig, von denen 65,5% Frauen sind. Bedingt durch den demographischen Wandel soll die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Für das Jahr 2020 werden 2,72 Millionen Pflegebedürftige prognostiziert, für 2030 3 Millionen und für 2030 3,76 Millionen. Aus diesem Zuwachs werden in den kommenden Jahren beträchtliche Mehrkosten anfallen/entstehen, die die Gesellschaft vor erhebliche Herausforderungen stellen. Es liegt an der Gesundheits- und Sozialpolitik Lösungen zu finden, wie diese Mehrkosten geschultert werden können.

71,3% der derzeit/aktuell 2,5 Millionen Pflegebedürftigen werden häuslich gepflegt, davon ca. 2/3 durch Familienangehörige und 1/3 durch ambulante Pflegedienste.

Hilfe bei Pflegebedürftigkeit

Die Hilfe für Pflegebedürftige umfasst die Unterstützung, Beaufsichtigung oder Anleitung, oder auch die vollständige oder teilweise Übernahme von Verrichtungen des täglichen Lebens für oder mit der hilfebedürftigen Person.

  • Unterstützung: dem Pflegebedürftigen werden sachliche Mittel, wie ein Rollator, Wasser oder Kleidungsstücke, zur Verfügung gestellt, die ihm helfen sollen die Verrichtung selbständig durchzuführen
  • Beaufsichtigung: beim Pflegebedürftigen werden Handlungsabläufe zur korrekten Durchführung gesichert/kontrolliert
  • Anleitung: für den Pflegebedürftigen werden Handlungsabläufe gelenkt oder demonstriert
  • Übernahme: sofern der Pflegebedürftige eine Verrichtung nicht selbständig durchführen kann, wird diese teilweise oder voll übernommen

Die Stufen der Pflege

Mit Hilfe von Pflegestufen wird der Umfang der Pflegebedürftigkeit ausgedrückt.  Hierbei werden Tageszeiten und Häufigkeit miteinbezogen, die für Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung im Durchschnitt, durch eine nicht als Pflegekraft ausgebildete Person, aufgewendet werden müssen.

  • Pflegestufe 0: bezeichnet eingeschränkte Alltagskompetenz, also Hilfebedarf bei Grundpflege und hauswirtschaftlicher Versorgung, jedoch nicht in dem Maße, als dass er als erheblich gelten würde. Kann aber auch einen Hilfebedarf bezeichnen, der nicht zu den definierten Alltagsverrichtungen gehört.(z.B. für Demenzkranke)
  • Pflegestufe 1: bezeichnet erhebliche Pflegebedürftigkeit. Der Durchschnittliche tägliche Aufwand für Grundpflege beträgt über 45 Minuten, Bedarf besteht bei mindestens 2 Verrichtungen mindestens zu einer Tageszeit. Der Hilfebedarf zur hauswirtschaftlichen Versorgung liegt mehrfach in der Woche vor. Der durchschnittliche tägliche Aufwand für den gesamten Hilfebedarf beträgt mindestens 90 Minuten.
  • Pflegestufe 2: bezeichnet schwere Pflegebedürftigkeit. Der Durchschnittliche tägliche Aufwand für Grundpflege beträgt über 120 Minuten, Bedarf besteht mindestens zu drei Tageszeiten. Der Hilfebedarf zur hauswirtschaftlichen Versorgung liegt mehrfach in der Woche vor. Der durchschnittliche tägliche Aufwand für den gesamten Hilfebedarf beträgt mindestens 180 Minuten.
  • Pflegestufe 3: bezeichnet schwerste Pflegebedürftigkeit. Der Durchschnittliche tägliche Aufwand für Grundpflege beträgt über 240 Minuten, Bedarf besteht zu allen Tageszeiten, rund um die Uhr. Der Hilfebedarf zur hauswirtschaftlichen Versorgung liegt mehrfach in der Woche vor. Der durchschnittliche tägliche Aufwand für den gesamten Hilfebedarf beträgt mindestens 300 Minuten.
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